{"id":2252,"date":"2016-12-22T11:32:23","date_gmt":"2016-12-22T11:32:23","guid":{"rendered":"http:\/\/europeanjournalists.org\/de\/?p=2252"},"modified":"2016-12-22T11:39:56","modified_gmt":"2016-12-22T11:39:56","slug":"trotz-getoteter-journalisten-kritischer-journalismus-in-russland-ist-nicht-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeanjournalists.org\/de\/2016\/12\/22\/trotz-getoteter-journalisten-kritischer-journalismus-in-russland-ist-nicht-tot\/","title":{"rendered":"Trotz get\u00f6teter Journalisten: Kritischer Journalismus in Russland ist nicht tot!"},"content":{"rendered":"<div class=\"content clearfix\">\n<header>\n<h2 class=\"node-title\">\u00a0Stellvertretende BJV-Vorsitzende Hilde Stadler \u00fcber die Medientagung in Moskau der EJF, in Zusammenarbeit mit der Russian Union of Journalists und (finanzieller) Unterst\u00fctztung\u00a0 der Europ\u00e4ischen Union<\/h2>\n<\/header>\n<p>siehe http:\/\/www.bjv.de\/news\/trotz-getoeteter-journalisten-kritischer-journalismus-russland-nicht-tot<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearfix grid-8 alpha\">\n<p><span class=\"news-ort\">Moskau\/M\u00fcnchen, <\/span><span class=\"news-date\"><span class=\"date-display-single\">20.12.2016<\/span><\/span><\/p>\n<div class=\"field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\">\n<p>Mitten aus dem Leben gerissen, weil sie Missst\u00e4nde aufgedeckt hatten, zu kritisch und unbeugsam waren: 360 Journalisten sind in Russland seit 1990 ums Leben gekommen, oft unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden und ohne dass die T\u00e4ter verurteilt wurden.<\/p>\n<p>Es wurde still im \u201eDom Journalistow\u201c (Haus der Journalisten) in Moskau, als die Teilnehmer der Internationalen Medienkonferenz ihrer get\u00f6teten KollegInnen gedachten. Deren Portr\u00e4ts waren als Fotogalerie ausgestellt. Darunter auch Anna Politkovskaya, Investigativreporterin der Tageszeitung <em>Novaya Gazeta<\/em>, bekannt geworden wegen ihrer kremlkritischen Berichte \u00fcber die Tschetschenien-Kriege. Am 7. Oktober 2006 wurde sie in Moskau erschossen.<\/p>\n<p><strong>Gerechtigkeit f\u00fcr get\u00f6tete Journalisten gefordert<br \/>\n<\/strong>F\u00fcr die Beh\u00f6rden ist das Verbrechen offiziell aufgekl\u00e4rt, der M\u00f6rder verurteilt. Doch Politkowskajas Familie und ihre Kollegen bestreiten das, vermuten ein politisches Motiv und verlangen die Fahndung nach den Hinterm\u00e4nnern. Auf der Konferenz forderte <a href=\"https:\/\/deref-gmx.net\/mail\/client\/oo8AlRvjmpk\/dereferrer\/?redirectUrl=https%3A%2F%2Ftwitter.com%2Fguyberger\" target=\"_blank\">Guy Berger<\/a>, <a href=\"https:\/\/deref-gmx.net\/mail\/client\/ft3eNq1I4pE\/dereferrer\/?redirectUrl=https%3A%2F%2Ftwitter.com%2FUNESCO\" target=\"_blank\">UNESCO<\/a>-Direktor f\u00fcr Meinungsfreiheit und Medienentwicklung: \u201eGerechtigkeit f\u00fcr die Journalisten, die in Russland get\u00f6tet wurden!\u201d (Siehe auch: Nadeschda Aschgichina: <a href=\"http:\/\/www.rightsinrussia.info\/advisory-council\/advisory-committee\/azhgikhina-4\">UNESCO Stop Impunity Day in Russia, 2016<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Pressefreiheit in Polen ist massiv gef\u00e4hrdet<br \/>\n<\/strong>Behinderungen, Drohungen und Gewalt gegen kritische Berichterstatter sind jedoch nicht nur in Russland, sondern auch in anderen L\u00e4ndern bedr\u00fcckende Praxis, wie die Entwicklungen in Polen zeigten. \u201eAlle unsere Freiheiten sind fragil. Die einzige Art und Weise sie zu sch\u00fctzen, ist zu protestieren, zu protestieren, zu protestieren\u201c, lautete der eindringliche Aufruf von Krzysztof Bobinski, dem Leiter der Warschauer Denkfabrik \u201eUnia &amp; Polska\u201c.<em><br \/>\n<\/em><br \/>\nBeleg daf\u00fcr sind die j\u00fcngsten massiven B\u00fcrgerproteste gegen die Pl\u00e4ne von Polens nationalkonservativer Regierung, die Medienberichterstattung im polnischen Parlament einzuschr\u00e4nken sowie das Abtreibungsrecht zu versch\u00e4rfen. Die polnische Regierung bem\u00fcht sich nun, die Wogen zu gl\u00e4tten.\u200f<\/p>\n<p><strong>Russische Medienaufsicht schlie\u00dft TV-Sender<br \/>\n<\/strong>Demonstrationen gab es auch in der sibirischen Stadt Tomsk. Doch sie konnten nicht verhindern, dass der renommierte regionale Fernsehsender <em><a href=\"http:\/\/www.rferl.org\/a\/russia-tomsk-tv-faces-shutdown\/26733410.html\">TV2 Tomsk von der staatlichen Medienaufsicht Roskomnadsor Anfang 2015 geschlossen<\/a><\/em> wurde. <em>TV2 Tomsk<\/em> war 23 Jahre ein Garant f\u00fcr unabh\u00e4ngigen Journalismus und genau deswegen manchen Leuten ein Dorn im Auge, unter anderem dem Gouverneur von Tomsk, wie der ehemalige Chefredakteur von TV2, Viktor Muchnik, erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p><strong>Staatliche Repressionen gegen Medien und NGOs<br \/>\n<\/strong>Wie sich die zunehmenden staatlichen Repressalien auf regionale Fernsehsender, Zeitungen und auch auf Nichtregierungsorganisation auswirken, beschrieb Galina Arapova, die als Juristin f\u00fcr Medienrecht t\u00e4tig ist im Zentrum zum Schutz von Massenmedien (MMDC). Diese Nichtregierungsorganisation in der russischen Stadt Woronesch wurde von der russischen Regierung als \u201eausl\u00e4ndischer Agent\u201c gebrandmarkt, berichtete Arapova.<\/p>\n<p>Im Jahr 2012 wurde ein Gesetz erlassen, wonach russische und in Russland t\u00e4tige NGOs, die Spenden f\u00fcr angeblich politische Zwecke aus dem Ausland erhalten, offiziell als \u201eausl\u00e4ndische Agenten\u201c klassifiziert werden k\u00f6nnen. Rund 150 Einrichtungen, Stiftungen und Vereine stehen inzwischen auf dieser schwarzen Liste, u.a. das Sacharow-Zentrum und das Meinungsforschungsinstitut Lewada. <a href=\"http:\/\/europeanjournalists.org\/blog\/2015\/02\/22\/putins-war-on-ngos-threatens-the-mass-media-defense-center\/\">So kann man unbequeme Kritiker und politische Widersacher mundtot machen<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Hoffnung auf den Digitaljournalismus<br \/>\n<\/strong>Die Gegenwart und Zukunft vieler regionaler Medien in Russland sieht d\u00fcster aus: Virtuelle und reale Zensur, sinkende Auflagenzahlen, Konkurrenz durch neue Medien, sowie digitale Beschr\u00e4nkungen der Unabh\u00e4ngigkeit von Herausgebern.<\/p>\n<p>Aber das Digitalzeitalter er\u00f6ffnet auch Chancen f\u00fcr unabh\u00e4ngigen Journalismus, unterstrich Galina Arapova: \u201eGerade auf Facebook und Twitter sind kritische Journalisten \u00fcberaus aktiv.\u201c Und \u00fcber die sozialen Medien gebe es auch Content-Kooperationen und Konvergenz, digitalisierte Newsrooms und Zusammenarbeit \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg.<\/p>\n<p><strong>Nicht instrumentalisieren lassen!<\/strong><br \/>\nDie wichtigste Erkenntnis: An der Zusammenarbeit festhalten, miteinander sprechen statt \u00fcbereinander, wie Nadeschda Aschgichina,\u00a0Generalsekret\u00e4rin des Russischen Journalistenverbands(RUJ), an die Konferenzteilnehmer appellierte: \u201eNur gemeinsam k\u00f6nnen wir der Propaganda und dem Populismus Einhalt gebieten und verhindern, dass wir als Journalisten instrumentalisiert werden in dem Versuch, einen neuen Kalten Krieg zu entfachen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/bjv.de\/arbeitsgruppen_kp\/nojs\/user\/61\/xx\"><em>Hilde Stadler<\/em><\/a><\/p>\n<p>BJV-Vize Dr. Hilde Stadler musste ihre Teilnahme an der Moskauer Konferenz krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Ihr Artikel basiert auf Interviews mit Nadeschda Aschgichina, Exekutiv Direktorin (RUJ )und Vizepr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Journalisten F\u00f6deration (EFJ) sowie <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Molenews1\">Ricardo Guti\u00e9rrez<\/a>, Generalsekret\u00e4r EFJ.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>\u201eGefahren und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr regionale Medien im Digitalzeitalter\u201c war das Thema der internationalen Medienkonferenz in Moskau von 15. bis 16. Dezember. Gastgeber waren der <a href=\"http:\/\/www.ruj.ru\/\">Russische Journalistenverband (RUJ)<\/a> in Zusammenarbeit mit der Europ\u00e4ischen Journalisten-F\u00f6deration (EFJ) und der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Es war das vierte Treffen im Rahmen einer Konferenzreihe, initiiert von der EU, mit dem Ziel, den Dialog zwischen Journalisten in der EU und Russland zu f\u00f6rdern und zu verbessern. Die erste Tagung fand im April 2016 in London statt, gefolgt von weiteren Treffen im Juli in St. Petersburg und im September 2016 in Br\u00fcssel.<\/p>\n<\/div>\n<p>Foto: Alexander Vorobiev, RUJ\/ RUJ Infocenter<\/p>\n<div class=\"field-item even\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Stellvertretende BJV-Vorsitzende Hilde Stadler \u00fcber die Medientagung in Moskau der EJF, in Zusammenarbeit mit der Russian Union of Journalists und (finanzieller) Unterst\u00fctztung\u00a0 der Europ\u00e4ischen Union siehe http:\/\/www.bjv.de\/news\/trotz-getoeteter-journalisten-kritischer-journalismus-russland-nicht-tot Moskau\/M\u00fcnchen, 20.12.2016 Mitten aus dem Leben gerissen, weil sie Missst\u00e4nde aufgedeckt hatten, zu kritisch und unbeugsam waren: 360 Journalisten sind in Russland seit 1990 ums Leben gekommen, oft unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden und ohne dass die T\u00e4ter verurteilt wurden. Es wurde still im \u201eDom Journalistow\u201c (Haus der Journalisten) in Moskau, als die Teilnehmer der Internationalen Medienkonferenz ihrer get\u00f6teten KollegInnen gedachten. Deren Portr\u00e4ts waren als Fotogalerie ausgestellt. 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