{"id":2338,"date":"2018-02-20T14:20:11","date_gmt":"2018-02-20T14:20:11","guid":{"rendered":"http:\/\/europeanjournalists.org\/de\/?p=2338"},"modified":"2018-02-20T14:47:26","modified_gmt":"2018-02-20T14:47:26","slug":"interview-mit-ejf-praesident-mogens-blicher-bjerregard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeanjournalists.org\/de\/2018\/02\/20\/interview-mit-ejf-praesident-mogens-blicher-bjerregard\/","title":{"rendered":"Interview mit EJF-Pr\u00e4sident Mogens Blicher Bjerreg\u00e5rd"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<h3 class=\"entry-title ph-article-title ph-variant-the-title\"><strong>Diktatur beginnt mit der Kontrolle des Worts<\/strong><\/h3>\n<\/blockquote>\n<p>Mogens Blicher Bjerregard ist seit Mai 2013 Pr\u00e4sident der European Federation of Journalists (EFJ). G\u00fcnter Herkel sprach f\u00fcr <a href=\"https:\/\/mmm.verdi.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Deutsche Journalistinnen und Journalisten Union (dju) in ver.di<\/a> mit ihm am Rande des Kongresses \u201eFree European Media 2018\u201c, den die EFJ am 15. und 16. Februar gemeinsam mit dem Europ\u00e4ischen Solidarit\u00e4tszentrum im polnischen Gdansk ausrichtete. Von dort ging ein dringlicher Appell f\u00fcr unabh\u00e4ngige und freie Medien aus.<\/p>\n<h5>20. FEBRUAR 2018\u00a0<span class=\"entry-author author vcard ph-article-author\">VON\u00a0<a class=\"fn url\" title=\"Alle Artikel von G\u00fcnter Herkel\" href=\"https:\/\/mmm.verdi.de\/author\/guenter-herkel\/\">G\u00dcNTER HERKEL<\/a><\/span><\/h5>\n<p><em>M\u00a0<\/em>|\u00a0<em>In Gdansk begannen Anfang der 1980er Jahre streikende Werftarbeiter ihren Kampf um unabh\u00e4ngige Gewerkschaften, Demokratie und Pressefreiheit. Seit dem Regierungswechsel 2015 sieht es in Polen eher wieder nach Demokratieabbau aus, oder?<\/em><\/p>\n<p>Mogens Blichet Bjerregard |\u00a0Mit der Verabschiedung eines neuen Mediengesetzes hat die PiS-Regierung direkt nach der Mach\u00fcbernahme die F\u00fchrung des staatlichen Rundfunks ausgetauscht. Schon kurz darauf wurden Hunderte Journalisten gefeuert. Erst unl\u00e4ngst wurde der private TV-Sender TVN mit einer Geldstrafe von 400.000 Euro belegt, weil er \u00fcber Anti-Regierungsproteste berichtet hatte. Nur zwei Beispiele daf\u00fcr, dass Kritik der Medien an der Regierung unerw\u00fcnscht ist und ernste Konsequenzen haben kann. Diese undemokratische Politik muss beendet werden.<\/p>\n<p><em>Eine maltesische Investigativjournalistin wird mit einer Autobombe ermordet. Auch nach der Freilassung von Deniz Y\u00fccel bleiben rund 150 Journalisten in der T\u00fcrkei in Haft, in vielen L\u00e4ndern wird die Arbeit von Journalisten im Zeichen von Antiterrorgesetzen eingeschr\u00e4nkt. Wie schlecht steht es in Europa um die Meinungs-und Medienfreiheit?<\/em><\/p>\n<p>In vielen Teilen Europas ist die Pressefreiheit massiv bedroht. In der Tschechischen Republik regiert ein Premierminister, der selbst \u00fcber starke Medien verf\u00fcgt und dazu noch von einem k\u00fcrzlich wiedergew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten unterst\u00fctzt wird, der im Rufe steht, Journalisten zu verfolgen. In Ungarn haben die meisten Medien l\u00e4ngst ihre Unabh\u00e4ngigkeit verloren. Im Fokus der Attacken steht vielfach der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk. Sogar in meiner Heimat D\u00e4nemark sollen den Sendern Etatk\u00fcrzungen von bis zu 25 Prozent aufgedr\u00fcckt werden.<\/p>\n<p><em>Auch in der Schweiz, Deutschland und anderen Staaten versuchen Populisten, den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk zu beschneiden. Was kann die EFJ tun, um in so unterschiedlichen Situationen zu helfen?<\/em><\/p>\n<p>Wir stehen im Dialog mit allen nationalen Organisationen, mit der Europ\u00e4ischen Rundfunk-Union. Nat\u00fcrlich steht es nicht in unserer Macht, in den einzelnen L\u00e4ndern direkt einzugreifen und die Situation zu beeinflussen. Aber wir k\u00f6nnen die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit auf diese Konflikte richten. Es geht darum, den Politikern, den B\u00fcrgern klar zu machen, dass das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen des \u00f6ffentlichen Sektors nicht zu mehr Pluralismus in den Medien f\u00fchrt. Eher im Gegenteil. Investigativer Journalismus ist ohne ausreichende Finanzierung nicht denkbar. Und auch der lokalen und regionalen Berichterstattung droht sonst das Aus.<\/p>\n<p><em>Das Ansehen des Journalistenberufs hat in manchen L\u00e4ndern gelitten. Es gibt Hate Speech, oftmals sogar physische Attacken. Wie l\u00e4sst sich dieser Trend stoppen?<\/em><\/p>\n<p>Manche Politiker sch\u00fcren ein Klima, das die Freiheit und das Prestige der Medien mehr und mehr beschneidet. Die Folgen sind vielfach Hass gegen Journalist_innen oder auf der Produzentenseite eine Tendenz zur Selbstzensur. Unsere Konferenz soll ein Baustein sein, diesen Trend umzukehren. Wir m\u00fcssen auf die Politik einwirken, sich aktiv f\u00fcr die Verteidigung unserer Rechte einzusetzen, die Journalisten bei ihrer Arbeit zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><em>Ein wichtiges Arbeitsfeld der EFJ ist die Sicherheit der Journalisten. Die ist bedroht durch Einsch\u00fcchterung, sogar \u2013 wie der Mord an Daphne Caruana Galizia zeigt \u2013 durch Bombenattentate. Welche Empfehlungen geben Sie auf diesem Gebiet?<\/em><\/p>\n<p>Gewalttaten gegen Journalisten m\u00fcssen konsequent verfolgt werden. Es kann nicht angehen, dass solche Kapitalverbrechen straffrei bleiben. Gegen die mutma\u00dflichen M\u00f6rder von Daphne Caruana Galizia wird inzwischen ermittelt. Es kommt aber darauf an, auch die Drahtzieher hinter diesem Auftragsmord zu finden und zu bestrafen.<\/p>\n<p><em>Was sonst kann man tun, um Journalist_innen besser zu sch\u00fctzen?<\/em><\/p>\n<p>W\u00fcnschenswert w\u00e4re unter anderem eine verbesserte Kooperation zwischen Journalisten und Rechtsanw\u00e4lten. Die UNESCO tut dies im Rahmen von Projekten in Afrika und Lateinamerika, bei denen Juristen und Journalisten gemeinsame Workshops durchf\u00fchren. Dort zeigen sich bereits Erfolge.<\/p>\n<p><em>Gibt es Vergleichbares in Europa?<\/em><\/p>\n<p>In Serbien werden viele Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit bedroht und attackiert. Dort existiert ein Komitee aus Richtern, Staatsanw\u00e4lten, Polizei, Justizverwaltung und Journalisten, in dem versucht wird, eine gemeinsame Sprache und gegenseitiges Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Umgang mit Delikten gegen die Pressefreiheit zu entwickeln. Wie kann man die Sicherheit der Arbeit von Journalisten absichern? Was bedeutet \u00fcberhaupt Medienfreiheit? Manchmal bedarf es solcher praktischer Schritte, um die Situation zu verbessern.<\/p>\n<p><em>Und welche Botschaft soll von diesem Kongress ausgehen?<\/em><\/p>\n<p>Die Pressefreiheit ist ein Grundpfeiler der Demokratie. Jede Diktatur beginnt mit der Kontrolle des Worts. Daher appellieren wir an alle Politiker, den Medien, den Journalisten volle Unterst\u00fctzung zu geben, und zwar ohne wenn und aber. Setzt euch f\u00fcr freie unabh\u00e4ngige Medien ein!<\/p>\n<p><em>Photo Credit : EFJ<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diktatur beginnt mit der Kontrolle des Worts Mogens Blicher Bjerregard ist seit Mai 2013 Pr\u00e4sident der European Federation of Journalists (EFJ). G\u00fcnter Herkel sprach f\u00fcr die Deutsche Journalistinnen und Journalisten Union (dju) in ver.di mit ihm am Rande des Kongresses \u201eFree European Media 2018\u201c, den die EFJ am 15. und 16. Februar gemeinsam mit dem Europ\u00e4ischen Solidarit\u00e4tszentrum im polnischen Gdansk ausrichtete. Von dort ging ein dringlicher Appell f\u00fcr unabh\u00e4ngige und freie Medien aus. 20. FEBRUAR 2018\u00a0VON\u00a0G\u00dcNTER HERKEL M\u00a0|\u00a0In Gdansk begannen Anfang der 1980er Jahre streikende Werftarbeiter ihren Kampf um unabh\u00e4ngige Gewerkschaften, Demokratie und Pressefreiheit. 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