{"id":2347,"date":"2018-02-20T15:47:32","date_gmt":"2018-02-20T15:47:32","guid":{"rendered":"http:\/\/europeanjournalists.org\/de\/?p=2347"},"modified":"2018-02-22T08:34:57","modified_gmt":"2018-02-22T08:34:57","slug":"europaeische-medienorganisationen-bekunden-unterstuetzung-fuer-schweizer-oeffentlich-rechtliche-und-lokale-fernseher-und-radiostationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeanjournalists.org\/de\/2018\/02\/20\/europaeische-medienorganisationen-bekunden-unterstuetzung-fuer-schweizer-oeffentlich-rechtliche-und-lokale-fernseher-und-radiostationen\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Medienorganisationen bekunden Unterst\u00fctzung f\u00fcr Schweizer \u00f6ffentliche und lokale Fernseher- und Radiostationen"},"content":{"rendered":"<p>Am 4. M\u00e4rz werden Schweizer B\u00fcrger durch ein Referendum entscheiden, ob die Medienempfangsgeb\u00fchr, bislang von der Firma Billag eingezogen (daher der Name der Initiative \u201eNoBillag\u201c), abgeschafft werden soll. Das gegenw\u00e4rtige Schweizer Mediensystem besteht aus \u00f6ffentlichen, privaten und Gemeinschaftsmedien. Jeder Sektor hat seine spezifischen Funktionen und Rollen. Die Abschaffung der nationalen Medienempfangsgeb\u00fchr h\u00e4tte den Verlust von zuverl\u00e4ssigen Informationsquellen zur Folge und w\u00fcrde demokratische Werte gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>In einem Land charakterisiert durch gro\u00dfe linguistische und kulturelle Vielfalt, garantieren Medien mit \u00f6ffentlichem Leistungsauftrag, betrieben von SRG SSR, nicht nur Zugriff auf Informationen in allen vier nationalen Sprachen (Schweizerdeutsch, Franz\u00f6sisch, Italienisch und Romanisch), sondern gew\u00e4hrleisten sozialen Zusammenhalt und ein Gef\u00fchl von geteilter nationaler Identit\u00e4t. \u00d6ffentliche Medien, bieten durch ihre digitalen und Landesvertriebskan\u00e4le RSI, RTR, RTS, SRF und SWI zuverl\u00e4ssige Nachrichten und Qualit\u00e4tsjournalismus an. Ihre Aufgabe besteht des weiteren darin, Bildungsinhalte und Unterhaltung zu produzieren, Informationsfreiheit zu bewahren und die Entwicklung einer informierten \u00d6ffentlichkeit zu erm\u00f6glichen, wie es in Artikel 93, Absatz 2 der Schweizer Bundesverfassung verlangt wird. Sollte die \u201eNoBillag\u201c Initiative genehmigt werden, w\u00fcrde genau dieser Artikel abgeschafft werden, wodurch das grundlegende Recht der Meinungs- und Informationsfreiheit der Schweizer B\u00fcrger beeintr\u00e4chtigt w\u00e4re. Schlie\u00dflich gew\u00e4hrleisten die \u00f6ffentlichen Medien Informationszugang f\u00fcr B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen mit Seh-, H\u00f6r- oder geistiger Beeintr\u00e4chtigung, deren Hauptprogramme und Nachrichten mit Untertiteln und Audiokommentierung ausgestattet sind.<\/p>\n<p>Die j\u00e4hrliche Medienempfangsgeb\u00fchr finanziert nicht nur den \u00f6ffentlichen Dienst, sondern auch 34 lokale Fernseher- und Radiostationen verteilt \u00fcber alle vier Sprachregionen. Davon sind neun Radiostationen im nationalen Verband UNIKOM vereint \u2013 die Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios \u2013 und erf\u00fcllen die Funktionen von Gemeinschaftsmedien. Die Branche wird von Artikel 36 des Schweizer Rundfunkgesetzes (RTVG) als \u2018komplement\u00e4r\u2018 zum \u00f6ffentlichen und privaten Rundfunk definiert. Ihre Hauptaufgaben beinhalten \u00f6ffentlichen Zugang zu Medienproduktionseinrichtungen und -training zu verschaffen, lokalen, vielf\u00e4ltigen und erg\u00e4nzenden Kulturinhalt herzustellen und auf einer nicht-kommerziellen Basis zu agieren. Tausende Freiwillige, einschlie\u00dflich B\u00fcrger mit Migrationshintergrund, sind aktiv an der Produktion und Betriebsf\u00fchrung von UNIKOM Radiostationen beteiligt, mit Programmen, die in mehr als 25 Sprachen und mit spezifisch interkulturellen, multilinguistischen Trainingsformaten vorhanden sind.<\/p>\n<p>Das Schweizer Mediensystem dient als Vorbild f\u00fcr demokratische L\u00e4nder. Dank ihrer engagierten Finanzierung, kann der \u00f6ffentliche Rundfunk best\u00e4ndige, professionelle M\u00f6glichkeiten und Arbeitsbedingungen f\u00fcr Journalisten, K\u00fcnstler, Musiker und Filmemacher bereitstellen und eine lebhafte Kulturbranche unterst\u00fctzen. Lokaler und nichtkommerzieller Rundfunk w\u00fcrde nicht ohne den finanziellen Beitrag, den es heutzutage erh\u00e4lt, \u00fcberleben. Die Auswirkungen ein solches Modell abzuschaffen, w\u00fcrde die Vielfalt, den Pluralismus und die Informationsfreiheit gef\u00e4hrden und die Schweiz zum einzigen Europ\u00e4ischen Land ohne \u00f6ffentliche Medien machen.<\/p>\n<p>Am Samstag, den 3. Februar, \u00f6ffneten mehrere Schweizer Radiostationen und Fernseherstudios ihre T\u00fcren der \u00d6ffentlichkeit, um zu erkl\u00e4ren wie sie arbeiten und warum es wichtig ist die \u201eNoBillag\u201c Initiative abzulehnen. Die folgenden Europ\u00e4ischen Medienorganisationen m\u00f6chten ihre volle Unterst\u00fctzung gegen\u00fcber ihren Schweizer Kollegen und Kolleginnen in allen Branchen, Vereinigungen, Schulen und Universit\u00e4ten \u00e4u\u00dfern: AMARC Europa (Weltverband des Gemeinschaftsradiorundfunks), Gemeinschaftsmedienforum Europa (CMFE), Europ\u00e4ische Rundfunkunion (EBU), Europ\u00e4ische Journalisten F\u00f6deration (EJF).<\/p>\n<p>Generaldirektor der EBU <strong>Noel Curran<\/strong> sagte: \u201eW\u00e4hrend das Vertrauen von B\u00fcrgern in soziale Medienplatformen sinkt und die Verbreitung von Fake News und Fehlinformation online zunimmt, sind \u00f6ffentliche Medien eine Quelle der unabh\u00e4ngigen Informationen und Debatte. Vertrauen in \u00f6ffentliche Medien, vor allem Fernsehen und Radio, w\u00e4chst. Wir sollten alles M\u00f6gliche tun um sicherzustellen, dass der \u00f6ffentliche Rundfunk in der Schweiz weiterhin eine unabh\u00e4ngige, vielf\u00e4ltige Stimme in einer zunehmend komplexen und polarisierten Welt bereitstellt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eLokale, gemeinn\u00fctzige Radios dienen und beteiligen jene Mitglieder der Gesellschaft, die weniger im Mainstream repr\u00e4sentiert sind und deren Sichtweisen dadurch in den gesellschaftlichen Diskurs gebracht werden\u201c, kommentierte <strong>Michael Nicolai<\/strong>, Pr\u00e4sident von AMARC Europa.<\/p>\n<p>\u201eGemeinschaftsmedien sind unerl\u00e4sslich f\u00fcr eine pluralistische Medienlandschaft, in der Schweiz sowie anderswo. Wir hoffen weiterhin zu sehen, wie Schweizer Gemeinschaftsradios ihre wichten gesellschaftlichen Funktionen erf\u00fcllen: Unterst\u00fctzung von Kunst und Kultur abseits des Mainstreams, Einbindung von Minderheiten und marginalisierten Gemeinschaften, sowie Engagement f\u00fcr interkulturelle Integration\u201c, f\u00fcgte <strong>Judith Purkarthofer<\/strong>, Pr\u00e4sident des CMFE, hinzu.<\/p>\n<p><strong>Mogens Blicher Bjerreg\u00e5rd<\/strong><strong>, <\/strong>Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Journalisten-F\u00f6deration sagte: \u201e\u00d6ffentliche Medien sind mehr als je zuvor wichtig in einem medialen \u00d6kosystem, das vermehrt seine F\u00e4higkeit reduziert, qualifizierte und pluralistische Informationen zu liefern. Oft sind \u00f6ffentliche Medien der einzig verbliebene Ort f\u00fcr investigative Programme. Wir brauchen \u00f6ffentliche Medien und m\u00fcssen sicherstellen, dass sie verbleiben oder \u2013 in manchen L\u00e4ndern \u2013 freigestellt werden von politischem und kommerzielem Druck.\u201c<\/p>\n<p>Verweise \u2013 Europarat<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/rm.coe.int\/leaflet-public-service-media-en\/1680735c27\">Die Role der \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien<\/a> (2017)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/wcd.coe.int\/ViewDoc.jsp?p=&amp;Ref=Decl(11.02.2009)&amp;Language=lanEnglish&amp;Ver=original&amp;Site=COE&amp;BackColorInternet=DBDCF2&amp;BackColorIntranet=FDC864&amp;BackColorLogged=FDC864&amp;direct=true\">Erkl\u00e4rung der Bedeutung von Gemeinschaftsmedien sozialen Zusammenhalt und interkulturellen Dialog zu f\u00f6rdern<\/a> (2009)<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr weitere Informationen, bitte kontaktieren Sie:<\/p>\n<p>Nadia Bellardi, im Namen von CMFE,\u00a0<a href=\"mailto:nadia.bellardi@icloud.com\">nadia.bellardi@icloud.com<\/a>, +41 79 3061648<\/p>\n<p>Claire Rainford, EBU,\u00a0<a href=\"mailto:rainford@ebu.ch\">rainford@ebu.ch<\/a>, +41 22 717 2321<\/p>\n<p>Renate Schroeder, EJF,\u00a0<a href=\"mailto:renate.schroeder@ifj.org\">renate.schroeder@ifj.org<\/a> , +32 2 235 22 02<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. 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