{"id":2627,"date":"2019-08-13T14:03:14","date_gmt":"2019-08-13T14:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/europeanjournalists.org\/de\/?p=2627"},"modified":"2019-08-13T14:03:14","modified_gmt":"2019-08-13T14:03:14","slug":"deutschland-neue-anwaltsstrategien-schwaechen-die-pressefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/europeanjournalists.org\/de\/2019\/08\/13\/deutschland-neue-anwaltsstrategien-schwaechen-die-pressefreiheit\/","title":{"rendered":"Deutschland: neue Anwaltsstrategien schw\u00e4chen die Pressefreiheit"},"content":{"rendered":"<p>Deutsche Anw\u00e4ltInnen versuchen zunehmend im Vorfeld Einfluss auf die Berichterstattung \u00fcber ihre MandantInnen zu nehmen. Das ist das Ergebnis der Studie &#8222;Wenn Sie das schreiben, verklage ich Sie! Studie zu pr\u00e4ventiven Anwaltsstrategien gegen\u00fcber Medien&#8220;, die am 08. August ver\u00f6ffentlicht wurde. Die von der Deutschen <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/wissenschaftsportal\/informationsseiten-zu-studien\/neue-anwaltsstrategien-gegen-medien\/\">Otto-Brenner-Stiftung<\/a> in Zusammenarbeit mit der <a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/\">Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte<\/a> verfasste Untersuchung stellte fest, Rechtsabteilungen deutscher Medien erhalten durchschnittlich drei Warnungen vor einer Ver\u00f6ffentlichung pro Monat.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Strategie: &#8222;Presserechtliche Informationsschreiben&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da Anw\u00e4ltInnen keine rechtlichen Mittel haben, die Ver\u00f6ffentlichung eines Artikels \u00fcber ihre(n) MandantIn zu verhindern, greifen sie oft zu sogenannten &#8222;Presserechtlichen Informationsschreiben&#8220;. Durch den Hinweis auf finanzielle Risiken, die aus einer Ver\u00f6ffentlichung entstehen k\u00f6nnten, wird gezielt versucht, RedakteurInnen einzusch\u00fcchtern. Das ist vor allem bei InvestigativjournalistInnen der Fall, da diese dazu verpflichtet sind, Betroffene mit der Berichterstattung zu konfrontieren, bevor sie ihren Artikel ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<ul>\n<li>Neuer Trend: Strategische Kommunikation<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da Presserechtliche Informationsschreiben &#8211; insbesondere im Boulevardjournalismus &#8211; in der sp\u00e4teren Ver\u00f6ffentlichung h\u00e4ufig zitiert werden und den Imageschaden des\/der KlientIn sogar noch erh\u00f6hen, weichen Anw\u00e4ltInnen neuerdings auf eine andere Taktik aus: strategische Kommunikation, um die Berichterstattung im eigenen Sinne zu beeinflussen. So bieten Presseanw\u00e4ltInnen zunehmend auch Public-Relations-Dienstleistungen an, um zum Beispiel \u00fcber eine Anpassung des umstrittenen Artikels zu verhandeln oder die Geschichte mit eigenem Spin bei anderen Medien &#8222;durchzustechen&#8220;. 14 von 20 Presseanw\u00e4ltInnen gaben im Interview an, mittlerweile mit Kommunikationsberatungen zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<ul>\n<li>Reaktion der JournalistInnen: h\u00f6here Motivation, mehr Sorgfalt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Laut Studie f\u00fchren die Schreiben seitens der JournalistInnen lediglich zu h\u00f6herer Motivation und mehr Sorgfalt bei der Recherche. Dennoch empfinden 29 von 42 befragten RedakteurInnen Presseanw\u00e4ltInnen als &#8222;bedrohlich&#8220;. W\u00e4hrend sich JournalistInnen durch besagte Briefe nicht davon abhalten lassen, eine Geschichte zu ver\u00f6ffentlichen oder bestimmte Themen aufzugreifen, sind es zunehmend deren Medienunternehmen, die aufgrund des rechtlichen Risikos z\u00f6gern. Diese Einstellung wirkt sich auch auf Gerichtsprozesse nach Ver\u00f6ffentlichungen aus: Mehrfach berichteten die Befragten, dass ihre HerausgeberInnen aus finanziellen Gr\u00fcnden eher bereit seien, eine Unterlassungserkl\u00e4rung zu unterzeichnen, als F\u00e4lle vor Gericht durchzufechten. Dieser besorgniserregende Trend wird zusehends zur g\u00e4ngigen Praxis und schw\u00e4cht die Pressefreiheit in Deutschland.<\/p>\n<p>Die Studie wurde von <strong>Tobias Gostomzyk<\/strong> und <strong>Daniel Mo\u00dfbrucker<\/strong> im Mai und Juni 2018 durchgef\u00fchrt. Sie ist das Ergebnis einer Datenbankrecherche, einer Auswertung von Rechtsnormen und Urteilen, Interviews mit 40 JournalistInnen und 20 Presseanw\u00e4ltInnen, einer Online-Umfrage mit Anw\u00e4ltInnen und Daten aus 20 Medienrechtsabteilungen. Die gesamte Studie kann <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/fileadmin\/user_data\/stiftung\/02_Wissenschaftsportal\/03_Publikationen\/AH99_Journalisten_Juristen.pdf\">hier<\/a> heruntergeladen werden.<\/p>\n<p><em>Bildnachweis: Sven Hoppe\/Adobe Stock, Gorodenkoff\/Adobe Stock<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Anw\u00e4ltInnen versuchen zunehmend im Vorfeld Einfluss auf die Berichterstattung \u00fcber ihre MandantInnen zu nehmen. Das ist das Ergebnis der Studie &#8222;Wenn Sie das schreiben, verklage ich Sie! Studie zu pr\u00e4ventiven Anwaltsstrategien gegen\u00fcber Medien&#8220;, die am 08. August ver\u00f6ffentlicht wurde. Die von der Deutschen Otto-Brenner-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte verfasste Untersuchung stellte fest, Rechtsabteilungen deutscher Medien erhalten durchschnittlich drei Warnungen vor einer Ver\u00f6ffentlichung pro Monat. 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