Ungarn: knapp 78% der Medien sind staatsnah


Die EFJ zeigt sich besorgt über neueste Zahlen zur ungarischen Pressefreiheit. Am zweiten Mai veröffentlichte der Medienmonitor Mérték eine Analyse der Ungarischen Medien in Bezug auf deren Unabhängigkeit. Die vom Grünen Europaabgeordneten Sven Giegold in Auftrag gegebene Studie gibt Einblicke in die weitreichende Medienmacht der Regierungspartei Fidez.

Seit im November 2018 die regierungsnahe Medienstiftung KESMA gegründet wurde, die 400 Orban-treue Medienproduzenten vereint, wurden mit Spannung die Auswirkungen auf den Medienmarkt erwartet. Basierend auf den Umsätzen errechnete Mérték nun den Anteil der regierungsnahen Medien und bezog sich dabei auf Zahlen aus dem Jahr 2017. Demnach sind 64,1 Prozent der Medien mit politischer Berichterstattung staatlich oder staatsnah, den öffentlichen Rundfunk eingeschlossen sogar knapp 77,8 Prozent. Letztere werden aufgrund ihrer „gut dokumentierten“ offenkundig linientreuen Berichterstattung hinzugerechnet.

Untersucht wurden sowohl Print-, Radio, Fernseh- als auch Onlinenachrichten. Auffällig ist vor allem der hohe Anteil Fidez-freundlicher Radio- und Fernsehsender außerhalb der KESMA. “Es mag kurios klingen, aber in Ungarn ist die letzte Bastion großer, unabhängiger Medien der Privatsender RTL”, sagte Mertek-Ökonomin Agnes Urban der deutschen ARD.

Im Interview mit der ARD berichtete der frühere ungarische Agenturjournalist Janos Karpati sogar von vorgegebenen Sprachregelungen für die Berichterstattung über Geflüchtete: “Man muss die Bezeichnung ‘illegale Migranten’ wählen – sogar dann, wenn es ganz offensichtlich um Menschen geht, die aus lebensbedrohlichen Situationen fliehen.”

Erst im Dezember demonstrierten tausende Ungarn vor der Zentrale des öffentlich rechtlichen Rundfunks MTVA für dessen Unabhängigkeit.

Die ganze Studie gibt es zum Download hier: https://mertek.eu/en/2019/05/02/fidesz-friendly-media-dominate-everywhere/

Picture credit: Peter Kohalmi / AFP